Immer auf Kurs bleiben

Erkenntnisse aus dem Steuermannskurs

Wie lege ich an? Wann geht es halbe Kraft und ohne Kraft in Richtung Bootssteg? Welchen Winkel schlage ich ein? Wie vermeide ich die Kollision mit einer Boje? Welches Boot hat Vorfahrt? Welche Verkehrsregeln gelten auf hoher See?

Fragen über Fragen, die in die tiefere Kunst des Ruderns einführen und denen sich ein paar wagemutige Ruderer und Ruderinnen unter der sachkundigen Leitung von Ingo Starck gestellt haben. Wer hätte gedacht, dass Rudern so viele Grundkenntnisse in Navigation, Bootskunde, Verkehrslehre etc. verlangt?

Wir trafen uns also im Bootshaus der MRG, erhielten umfangreiches Schulungsmaterial und lernten von der Pike auf das ABC der Bootsführung.

Ein Blick in einen Gig-Vierer aus der Vogelperspektive.

Wusstet Ihr, dass die Steuerleute für das Leben ihrer Ruderkameradinnen und Ruderkameraden während der Fahrt verantwortlich sind? Ihre Ansage gilt, und sie darf nicht diskutiert werden – vor allem nicht während akuter Gefahr. Von daher ist ganz klar, dass sie die „körperliche und geistige Eignung für diese verantwortliche Position“ mitbringen müssen. 
Also: ohne Alkohol ans Steuer (unter 0,5 Promille), nicht übernächtigt, nicht bei steifem Nebel oder in tiefer Dunkelheit.

Aber es kommt noch dicker. Ich zitiere aus den Regeln: „Kommt es zu einem Unfall, bei dem die Fahruntüchtigkeit festgestellt wird, haften die Obleute bzw. Steuerleute mit ihrem Privatvermögen“.

Das war der kritischste Moment in der Schulung. Wir überlegten uns, ob wir uns dieser Verantwortung wirklich stellen wollen, um dann im Zweifelsfall unser restliches Leben unter einer Brücke fristen zu müssen.

Ingo gelang es, uns zu beruhigen. Wir widmeten uns dann den verschiedenen Steuer- und Wendemanövern in Fließgewässern, an Schleusen und in unbekannten Gewässern. Danach folgte Physik: Wie verändert sich die Strömung in Buhnen, in Ufernähe und in der Fahrrinne?

Anschließend erfuhren wir etwas über die Sogwirkung von Schiffen – was bei uns wiederum eine Sogwirkung Richtung Ausgangstür entwickelte. Wir wussten vorher nicht, dass ein Drahtseilakt – zwischen zwei Hochhäusern – ein Spaziergang ist im Vergleich zu einem Steuermanöver in einem befahrenen Fluss.

Ein Verkehrsschild (rot umrandetes Dreieck, das ein Ausrufezeichen umschließt) weist auf Ruderboote hin

Zur Entspannung lernten wir die unterschiedlichen Verkehrs- und Schifffahrtszeichen kennen und versuchten, die Bedeutung von – gefühlt – 2000 Verkehrsschildern zu deuten.

Bevor wir einschliefen, konnte Ingo unsere Aufmerksamkeit mit den Kommandos wecken, die wir energisch und im Chor skandierten, um den Blutdruck wieder zu heben. Denn auf den rechten Rhythmus kommt es an: „Mannschaft – steigt – aus“, zu jedem Befehl gibt es eine Bewegung, deshalb müssen die Pausen sitzen und der nächste Befehl punktgenau kommen.

Wir sitzen im Doppelvierer und warten darauf, dass die Schleuse sich wieder öffnet

Soviel zur Theorie, es folgte die Praxis.

Anlegen an der Pritsche und an einer Stahlwand im Hafen, Hantieren mit dem Bootshaken, die richtige Platzierung der Befehle. Die Wende Backbord, Steuerbord und unter Wasser – wir kamen richtig ins Schwitzen, aber Ingo war zufrieden.

Ihm gebührt Lob für seine Geduld, Motivation, Vorbereitung und gute Laune während der Schulung. Wir waren nicht immer brave Schülerinnen und Schüler – ich habe auch mal mit dem Nachbarn geschwätzt. Ingo hat aber immer den Kurs gehalten, während er den Kurs gehalten hat.

Dankeschön!